Wir schreiben das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, große Teile Deutschlands liegen in Schutt und Asche, die Menschen leiden an den Folgen des Krieges. Nach und nach kehren die Kriegsgefangenen in ihre Heimat zurück. Rasch normalisiert sich das örtliche Leben in Völkersbach. Zukunftsorientiert werden alte Aktivitäten der Dorfgemeinschaft wiederbelebt und so war die Gründung eines „richtigen“ Sportvereins schon lange fällig. Die Wurzel hierfür legten bereits Jahre zuvor zahlreiche leidenschaftlich geführte Fußballspiele zwischen dem Völkersbacher Unter- und Oberdorf, sowie freundschaftliche Begegnungen mit den Nachbargemeinden. Immer voll dabei war Alois Wipfler, ein talentierter Fußballer, der den Sportlern Trainingsstunden gab und selbst entscheidende Tore schoss.
Oskar Glasstetter,
Gründungs- und Ehrenmitglied des SVV erinnert sich …
Junge Völkersbacher Fußballbegeisterte träumten davon einen eigenen Verein zu gründen, doch es fehlte an finanziellen Mitteln. Da kam man auf die Idee, Theater zu spielen und so vom Eintrittsgeld die nötigen Investitionen zu tätigen. Hier war Oskar’s Schwager Hugo Fritz, im Dorf auch bekannt als „Maler Hugo“ federführend und engagierte sich als Theater-Schauspieler und Musikbegleitung. Quetschkomod-Hugo war nicht nur ein guter Sänger, sondern spielte auch Geige. Die ersten aufgeführten Stücke von 1946 waren „der Geiger vom Gmünd“, „der Vogt auf Mühlstein“ und „die Junggesellensteuer“. Als Art „Proberaum“ stellte Herr Pfarrer Glaser einen Acker zur Verfügung, Kaufmann Ochs sein altes Magazin. Das war eine Bretterbude, die die jungen Männer erst in der Hauptstraße abbauen und neben dem Spielfeld wieder aufbauen mussten. So konnte man auch bei schlechtem Wetter die Theaterstücke einstudieren.
Die Theateraufführungen durfte man im Gasthaus „Zum Lamm” zum Besten geben. Der Saal und die Bühne wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Jedoch war es im Winter sehr kalt und das Heizmaterial Holz knapp. So einigte man sich, dass jeder ein Scheit Holz mitzubringen hatte. Der Fritzles Karl brachte immer das größte mit. Eines Tages wurde er gefragt „Du hast immer so schönes großes Holz dabei, danke für deine Großzügigkeit“. Seine Antwort darauf: „Ich weiß halt wo’s des Schönschte gibt“ – "und wo?" – „ha, beim Lammwirt im Gaade“.
Die Stücke wurden vom Publikum begeistert aufgenommen, so hatte man bald das nötige Kleingeld für den lang ersehnten Traum zusammen. Am 27. Januar 1946 war es dann endlich soweit. 11 Gründer und 51 Gründungsmitglieder rufen im Gasthaus „Zum Lamm“ den Sportverein Völkersbach ins Leben. Es schlug die Geburtsstunde des SV Völkersbach. Bereits im Gründungsjahr jagten 15 Fußballer dem Leder in der damaligen Albtalstaffel hinterher. Gespielt wurde damals auf dem „alten Sportplatz” am oberen Waldrand Richtung Malsch. Bis heute ein unvergessener Ort der Gründungsgeschichte unseres Sportvereins.
Als selbstständiger Metzger fehlte Oskar leider die Zeit zum Fußballspielen, außerdem war ihm das Verletzungsrisiko zu groß. Dennoch half er seinen Freunden von der Gründung an, war so oft es ging bei den Spielen dabei und unterstützte bis ins hohe Alter „seinen“ SVV als treuen Freund und Gönner.